Streuobstwiese

Hof Herrenberg nimmt 2006 und 2008 an der Pflanzung von Obstbäumen im Rahmen der Förderung von Streuobstwiesen des Amtes für den ländlichen Raum in Reichelsheim teil.

In gemeinschaftlich mit Naturschutzverbänden, Obst- und Gartenbauvereinen sowie den Behörden organisierten Pflanz- und Pflegeaktionen werden alljährlich zahlreiche Streuobstwiesen neu angelegt oder in ihrem Bestand auf Dauer gesichert.

Die vom Regierungspräsidium Darmstadt mit 10.000 Euro geförderte Naturschutz-Aktion bündelt die Aktivitäten der Bürgerinnen und Bürger und auch der Obst- und Gartenbauvereine, Naturschutz- und Agenda21-Gruppen der Region und bietet dadurch viele Vorteile, angefangen bei der Beratung zur Auswahl der geeigneten Sorte, den Hinweisen zur richtigen Pflanzung, der kompletten Lieferung von Baum, Pfahl, Verbissschutz und Band zum Anbinden, bis zur guten Qualität der Ware zu einem günstigen Preis und der Anlieferung an den Ausgabestellen in Bad König und Fränkisch-Crumbach.

Streuobstwiesen gehören schon seit vielen Jahren zur Kulturlandschaft des Odenwaldes. Sie bieten wunderbare Entwicklungsmöglichkeiten für Flora und Fauna.

Streuobstwiesen haben eine hohe Bedeutung für den Menschen. Die Obstbaumblüte beispielsweise gilt als ein Höhepunkt im Jahresablauf, welcher vielerorts mit Blütenfesten entsprechend gewürdigt wird. Regelmäßig im Frühjahr, wenn die Natur aus der Winterruhe erwacht, verwandeln blühende Obstbäume der Streuobstwiesen weite Landstriche in ein weißes Blütenmeer. Außerdem liefern hochstämmige Obstbäume gesundes, für viele Verwendungszwecke brauchbares Obst und beleben das Landschaftsbild. Sie sind für unser Auge eine Abwechslung in der sonst vielfach ausgeräumten Agrarlandschaft.

Aber nicht nur Menschen, auch Tiere erfreuen sich an den Streuobstwiesen. Zahlreiche Insekten laben sich an Pollen und Nektar der Obstblüten. Sie sind Nahrungs-, Lebens- und Vermehrungsraum für über 5.000 Tier- und Pflanzenarten wie z. B. Steinkauz und Siebenschläfer. Streuobstwiesen gehören damit zu den artenreichsten Biotoptypen in Mitteleuropa.

Die alten Sorten, die auch heute noch traditionell im Streuobstanbau verwendet werden, wurden zu einer Zeit entwickelt, als Pflanzenschutzmittel gar nicht oder nur sehr eingeschränkt zur Verfügung standen. Sie sind daher gegenüber Krankheiten und Schaderregern als besonders robust einzustufen. Die einzelnen Sorten entstanden dabei regionsspezifisch wie beispielsweise der Rheinischer Krummstiel und Rheinischer Bohnapfel. Die Verbreitung mancher Sorten ist gar auf wenige Dörfer beschränkt gewesen.

Typische Odenwälder Apfelsorten sind:

  • Rheinischer Bohnapfel
  • Rheinischer Winterrambur
  • Goldparmäne
  • Schöner von Boskoop
  • Brettacher Gewürzapfel
  • Goldrenette von Blenheim
  • Landberger Renette
  • Rheinische Schafsnase

Tiere in Streuobstwiesen

In Streuobstwiesen können zwischen 2.000 und 5.000 Tierarten beheimatet sein. Den größten Anteil nehmen dabei Insekten, wie Käfer, Wespen, Hummeln, Schmetterlinge und Bienen ein. Auch die Vielfalt der Spinnentiere und Tausendfüßer ist groß. Von der reichhaltigen Flora und Fauna und den allgemein guten Bedingungen zur Aufzucht von Jungtieren in brüchigen, mit Höhlen durchsetzten Altbäumen profitieren auch zahlreiche Säugerarten, wie Fledermäuse, Gartenschläfer, Siebenschläfer und das Mauswiesel. Weiter trifft man Igel, Feldmäuse und Feldhasen an. Für viele mitteleuropäische Vogelarten sind alte Streuobstbestände durch ihren Höhlen- und Totholzreichtum die idealen Brutstätten. Ihre Nahrungsgrundlage sind die Gliederfüßer wie etwa Spinnen, Insekten oder Tausendfüßler, die im Biotop Streuobstwiese häufig sind. Indikatorarten für die ökologische Wertigkeit sind beispielsweise der Steinkauz und der Wendehals. Weitere Vogelarten sind: Halsbandschnäpper, Gartenbaumläufer, Gartenrotschwanz, Gimpel, Sumpfmeise, Stieglitz, Wiedehopf , Neuntöter , Rotkopfwürger und verschiedene Spechtarten . Mit ihrem kleinräumigen Wechsel aus besonnten und (halb-)schattigen, trockenen und feuchten Stellen, Holz- und Schnittgutlagerplätzen, Gras-/Staudenfluren und Gehölzen sind Streuobstwiesen auch wertvolle Sommer- und Überwinterungshabitate für verschiedene Amphibien – und Reptilienarten , darunter je nach Region: Laubfrosch , Erdkröte , Grasfrosch und Moorfrosch . Von den Reptilien sind beispielsweise zu nennen: Blindschleiche und Waldeidechse.

Pflanzen in Streuobstwiesen

Die von Gräsern dominierte Krautschicht einer Streuobstwiese weist oft auch eine große Anzahl blühender Wiesenkräuter auf, die je nach Standortbedingungen verschieden zusammengesetzt sind. Eine artenreiche Pflanzenvergesellschaftung wurde bei der klassischen Nutzungsweise vor allem durch eine extensive Beweidung von Schafen begünstigt. Einige Pflanzenarten, die zum Biotop Streuobstwiese zählen, sind:

  • Gewöhnlicher Frauenmantel (Alchemilla vulgaris)
  • Großer Wiesenknopf (Sanguisorba officinalis)
  • Gelber Hohlzahn (Galeopsis segetum)
  • Heilziest (Betonica officinalis)
  • Herbstzeitlose (Colchicum autumnale)
  • Löwenzahn (Taraxacum officinale)
  • Schafgarbe (Achillea millefolium)
  • Wiesenschaumkraut (Cardamine pratensis)
  • Wilde Möhre (Daucus carota)