Interview mit Dr. Wangari Maathai

New York City / Ohio, Mittwoch, 30. Sept. 2009

Das Folgende ist eine Übertragung des Interviews mit Dr. Wangari Maathai, das von Amrita TV für Embracing The World (Oberbegriff für die weltweiten karitativen Einrichtungen Ammas, die für ihre Mitwirkung bei der Motivation und Unterstützung der betroffenen Länder verschiedene Anerkennungen von der UN und der internationalen Gemeinschaft bekommen hat) durchgeführt und übertragen wurde.

Interviewer: Guten Morgen, Dr. Maathai. Mein Name ist Carmen Gloria Arriagada. Ich vertrete Amrita TV Indien und Embracing The World, eine Organisation, die in 25 Ländern vertreten ist und von M.A. Math geleitet wird, eine NGO mit einem vor allem beratenden Status bei den Vereinten Nationen. Es ist ein großes Vorrecht und eine Ehre, dass wir heute die Gelegenheit haben, dieses Interview mit Ihnen zu führen.

Dr. Maathai: Vielen Dank!

Interviewer: Dr. Maathai, was wäre aus Ihrer Sicht die eindrücklichste Methode, um der Welt klar zu machen, wie wichtig es ist, Bäume zu pflanzen und um zu einem gemeinsamen Versuch in dieser Hinsicht aufzurufen?

Dr. Maathai: Wie Sie wissen – aber zuerst möchte ich Sie und Ihre Leiterin für die großartige Arbeit, die Sie leisten, beglückwünschen. Und lassen Sie mich betonen, dass ich von der Arbeit und dem Versuch Gutes zu tun, damit wir eine bessere Welt haben können, begeistert bin, denn was wir haben, ist das, was andere für uns getan haben. Und Bäume pflanzen ist ein Weg, um sicherzustellen, dass unsere Nachkommen von unserer Hände Arbeit profitieren werden. Denn Bäume wachsen sehr langsam und sie werden in der Regel von den kommenden Generationen genutzt. Jedoch, Bäume sind Allgemeingut in der ganzen Welt, und oft nehmen wir sie als selbstverständlich hin; sie tun aber sehr viel für uns. Jetzt spricht jeder über sie, weil wir erkennen, dass sie diejenigen sind, die Kohlendioxyd aus der Atmosphäre aufnehmen und umwandeln, damit wir reine Luft haben.

Schon bevor wir die Bedrohung durch den Klima-Wechsel erkannten, bewässerten Bäume das Land, Bäume reicherten den Boden an, Bäume gruben ihre Wurzeln tief in den Untergrund der Erde und brachten Minerale, die tief in der Erde liegen, an die Oberfläche. Sie machten sie für Pflanzen nutzbar, als Nahrung für Getreidearten, die sehr flache Wurzeln haben. Und Bäume machen es möglich, besonders in den Wäldern, Quellwasser zu erzeugen, dass wir Mikroklimas kontrollieren und sicherstellen können, dass Flüsse und Ströme weiterhin fließen.

So kann ich viele, viele Gründe aufzählen, warum wir den Bäumen dankbar sein und warum wir sie pflanzen sollten. Natürlich darf ich nicht vergessen, dass viele von uns Früchte lieben und diese kommen alle von Pflanzen und Bäumen.

Interviewer: Danke Dr. Maathai. Wir haben ihre Bemühungen, Frauen zu aktivieren, verfolgt und bewundern Ihre Fähigkeiten auf diesem Gebiet außerordentlich. Wie sehen Sie, in diesem Zusammenhang, die Entwicklung der Rolle der Frau in Kenia insgesamt und ihren Beitrag für die Gesellschaft?

Dr. Maathai: Nun, Frauen spielen, wie wir alle wissen, eine sehr wichtige Rolle in der Fürsorge für ihre Familien, sie ernähren die Familien. Sie stellen die Nahrung her – vor allem in unserem Teil der Welt – sie holen Wasser und sammeln Feuerholz. Wenn sie zurückkommen, wärmen sie das Haus und kochen das Essen. Wir wissen, dass es die Frauen sind, die das Wasser für die Familien holen. Und deshalb war es angemessen, dass wir mit Frauen anfingen, als wir die Green Belt-Bewegung begannen – ungeachtet dessen, dass die Diskussionen in dem Forum stattfinden, das von dem Nationalen Konzil der Frauen von Kenia gegründet wurde. Aber der Grund, dass wir uns an Frauen wandten ist der, weil wir wussten, dass sie die geeigneten Menschen sind, mit dem meisten Verständnis, warum wir unsere Umwelt schützen, sie retten und Bäume pflanzen müssen, damit die Bäume für einige unserer sofortigen Bedürfnisse sorgen können.

Allerdings war die Situation, als die Frauen anfingen, Bäume zu pflanzen, nicht einfach. Denn sie wussten nicht, wie man Bäume pflanzt. Vorher hatte niemand Bäume gepflanzt, Gott hatte gepflanzt. Aber zu der Zeit waren wir sehr wenige und wir hatten keine Fahrzeuge und Forstarbeiter, wie sehr große landwirtschaftlich geprägte Ländereien, die in Monokultur-Farmen umgewandelt wurden – manchmal auf Kosten der Wälder. Also, zu dem Zeitpunkt, als wir mit dem anfingen, was ich in Anführungszeichen „Entwicklung“ nennen will, fingen wir an, das Land von seiner Vegetation, von Bäumen und Wäldern zu befreien, um es zu „entwickeln“.

Aber Frauen hatten nie Bäume gepflanzt. Doch in dem Moment, als wir sie aufforderten, Bäume zu pflanzen, waren sie in der Lage dazu. Sie kamen, um zu lernen, was bis dahin nur die Waldarbeiter wussten, wie man Bäume pflanzt. Sie waren fähig durch die Tatsache, dass innerhalb von ein paar Jahren, innerhalb fünf, zehn oder 15 Jahren Bäume auf ihrem Land wachsen würden, die sie als Feuerholz, zum Bauen oder für Umzäunungen nutzen könnten. Es ist außerordentlich inspirierend, einen Baum zu pflanzen und ihn wachsen zu sehen, allmählich seine Früchte ernten zu können oder das Holz oder den Stamm zu nutzen. Außerdem geben wir ihnen eine Menge Information und Information ist sehr hilfreich. Sie beginnen zu verstehen, warum Bäume das Land schützen und das spornt sie sehr an.

Schließlich haben wir einen Anreiz, wenn wir einen Baum pflanzen. Für jeden gepflanzten Baum bekommen die Frauen einen finanziellen Ausgleich. Und es ist tatsächlich so, dass viel von unserem Geld aktuell da hinfließt, ob wir es durch unsere Webseite aufbringen, durch Greenbelt Movement oder ob wir Geld von Spendern bekommen. Wir geben eine Menge Geld aus, um die Frauen zu bezahlen. Dieses finanzielle Einkommen ist sehr motivierend, denn die Frauen können das Geld nicht verbrauchen, ohne andere mit einzubeziehen. Sie können Kekse backen, Essen kaufen, Kleider kaufen oder das Haus ausbessern. Das ist ein großer Anreiz – denn wirtschaftliche Unabhängigkeit kann sehr motivierend sein, besonders für Frauen, die sehr von ihren Ehemännern abhängig sind. Ich möchte sogar behaupten, wenn die Bäume wachsen – denken Sie daran, wir machen dies seit drei Dekaden – also wenn die Bäume wachsen, können sie sie verkaufen. Und davon haben sie ein Einkommen. Und in unserem Erdteil steigt der Wert des Landes, wenn ein Baum gepflanzt wird. In unserem Erdteil besitzen die Männer das Land, aber es sind die Frauen, die auf dem Land arbeiten. Deshalb sind die Männer sehr froh, wenn sie sehen, dass der Wert ihres Grundstücks, das sie besitzen, wegen der gepflanzten Bäume steigt. So verbinden sie sich auch mit den Frauen, um Bäume zu pflanzen und damit den Wert ihres Landes zu erhöhen. Aus diesem Grund fanden wir bei den Männern Zusammenarbeit, Achtung und Bewunderung für die Frauen und ihre gute Arbeit – Würdigung und Anerkennung. Manchmal wurde ihnen sogar mehr Verantwortung in der Gemeinschaft gegeben, weil die Frauen Führungsqualitäten zeigten. Das kann sehr ermutigend sein.

Das sind einige der Möglichkeiten, mit denen Frauen, die an der Green Belt Bewegung teilnehmen, ihr Leben auf verschiedene Weise verändern können.

Interviewer: Danke Dr. Maathai, dies ist wirklich ein wunderbares Programm. Danke, dass Sie uns teilnehmen ließen. Meine letzte Frage: Wir sind uns alle der Wichtigkeit des kommenden Klima-Wechsel-Gipfels in Kopenhagen bewusst und hoffen auf eine entscheidende Abstimmung, die zu einer fairen, verbindlichen Abmachung führt. Als eine indische Organisation, mit einer höchst verantwortlichen umweltorientierten Agenda, sucht Embracing The World aktiv nach Initiativen, die zu der Erhaltung und Verbesserung unseres Planeten Erde führen. Würden Sie bitte Stellung dazu nehmen, inwiefern Sie eine Parallele sehen zwischen den Initiativen, die Sie erfolgreich in Kenia durchgeführt haben und ähnlichen Unternehmungen, die in Indien durchgeführt werden könnten?

Dr. Maathai: Nun, ich muss deutlich sagen, dass Indien uns in den frühen achtziger Jahren sehr inspiriert hat. Ich kam dahin, um das Chipko Movement in Nordindien kennenzulernen und stellte fest, dass es in Indien sehr viele Initiativen gab, die Bäume pflanzten und sogar nach anderen Energiequellen suchten, wie die Nutzung von Biomasse und Produktion von elektrischem Strom aus Biomasse durch Biogas. So lernten wir eine Menge Aktivitäten kennen – über die Aktivitäten – in Indien und wir sind sehr motiviert und ermutigt.

Jetzt denke ich, so wie wir von dem hohen Kohlenstoff-Lebenstandard wegkommen zu einem niedrigeren Kohlenstoff-Lebensstil, werden viele von uns bei der Entwicklung der Länder – oder sogar diejenigen von uns in aufstrebenden Landwirtschaften wie Indien und China – sich auf der ärmeren Stufe der Landwirtschaft finden. Wir brauchen letztlich unsere eigenen Initiativen, die nicht von neuester Technologie bestimmt werden. High Tech von Wind und Sonne oder Hydro werden gute Alternativen auf Regierungsebene sein. Aber auf der ländlichen Ebene ist es äußerordentlich wichtig, Bauern zu unterstützen, Staaten zu unterstützen, Energiequellen zu finden und geeignete Techniken, die helfen werden, die negativen Einwirkungen des Klima-Wechsels abzuschwächen.

In unserem Land zum Beispiel ist es jetzt natürlich eingeführt, Bäume zu pflanzen und Menschen pflanzen Bäume, aber es ist ebenso wichtig, sicherzustellen, dass die Bäume überleben. Wie ich früher bemerkte, haben wir einen Anreiz. Es gibt viele Leute, die Bäume pflanzen, ohne methodisch vorzugehen, wie es Green Belt Movement tut. Aber es ist sehr wichtig, zu betonen, dass Bäume überleben müssen. Das Zweite, das ich sagen möchte, ist, dass wenn mit Klimawechsel gerechnet wird, eines der Haupt-Energie-Quellen zum Hauptproblem wird – das Wasser. Und deshalb ist es sehr wichtig, Regenwasser zu sammeln. In Afrika steht es sehr schlecht mit dem Regenwasser sammeln. Wir lassen das Wasser weglaufen. Es läuft in die Seen und in die Ozeane, statt für das Land gespeichert zu werden. Und das kann durch Terrassen geschehen, durch das Anlegen von Drainagen, durch Gräben. Ich bin immer inspiriert von der Terrassen-Kultur in Südost-Asien, wenn ich sehe, wie die Menschen dort Reis am Berghang anpflanzen. Ich bin wirklich sehr beeindruckt von dieser Terrassen-Kultur. Und ich wünsche mir, dass die Afrikaner Asien wenigstens aus Achtung vor dem Sammeln von Regenwasser nachahmen und wie dort das Land maximal nützen werden.

Andererseits denke ich, ist es sehr wichtig für uns, zu verstehen, dass Monokulturen ein sehr wesentlicher Teil des Musterbeispiels waren, das wir vom Westen übernommen haben. Aber die meisten von uns pflanzten alle Arten von Getreide an, einige davon wurden uns von den vergangenen Generationen weitergegeben. Es ist sehr wichtig, dass wir diese Samen- und Pflanzen-Vielfalt nicht verlieren. Ob diese Vielfalt auf unseren Farmen wächst oder in unserer Wildnis oder in unseren Wäldern – und ob diese Wildnis wild ist oder fruchtbar gemacht wurde – es ist sehr wichtig für uns, sie zu schützen, weil wir uns vielleicht schützen können durch das, was in der Region wächst, in der wir leben. Z.B. wird uns in Afrika vielleicht Casaba selbst helfen, den Klimawechsel zu überstehen, ein Wurzelgetreide, das wir seit vielen Jahren anpflanzen. Wir essen die Wurzeln und die Samen. Vielleicht sind es die Yamwurzeln. Vielleicht wird es das Korn sein, das wir Sorghum nennen oder Mirid. Dies sind ein paar Getreidearten, die den trockenen Gebieten Afrikas angepasst wurden.

Aber wie Sie wissen, gegenwärtig haben viele von uns und besonders unsere Regierungen sich für riesige expansive Mais-Farmen entschieden, ein Getreide, das aus der Neuen Welt, aus Amerika, importiert wurde und das erfordert viel Wasser. Also, wenn wir jetzt (schon) nicht genug Wasser haben, können Sie sich vorstellen, was passieren wird, wenn der Klima-Wechsel kommt. Wissenschaftler warnen uns, dass Afrika (noch) viel trockener wird, als es jetzt ist, und dass es sehr stark vom Klima-Wechsel getroffen wird.

Was ich deshalb gerne anregen würde, wenn wir nach Kopenhagen gehen und wenn die Regierungen zu einer Vereinbarung kommen – sie müssen daran denken, dass wir verschiedene Länder haben. Es gibt Staaten, die sich Sorgen um untergehende Inseln machen, wie im Pazifik. Es wird Länder geben, die sich ums Überleben sorgen und die Unterstützung brauchen. Und dann wird es natürlich riesige Programme der Regierungen geben. Wir hoffen, dass alles dies überlegt wird. Aber am meisten ist es für diejenigen von uns wichtig, die mit Ländern arbeiten, sie zu ermutigen, dass sie alles tun, was sie als Gemeinschaft tun können, um sich selbst vor den negativen Einflüssen des Klimawechsels zu schützen und nicht auf die internationale Gemeinschaft warten. Wenn sie das tun, kann es zu spät sein.

Interviewer: Vielen Dank für die sehr anregende Diskussion, Dr. Maathai. Es war eine große Freude. Wir achten und bewundern die hervorragenden Beispiele weiblicher Führerschaft und den Dienst an der Menschheit sehr, von der Sie und Amma lebende Zeugen sind. Wir würden ein Treffen zwischen Ihnen beiden als ein außerordentliches, synergistisches Ereignis ansehen, das vielleicht eine zukünftige, potentielle gegenseitige Zusammenarbeit ermöglicht.

Wir haben die große Ehre, Sie zu einem Treffen mit unserer Leiterin Amma einzuladen, die Kenia letzten April besuchte und ein Waisenhaus in Nairobi für 108 Kinder eröffnete. Ich wünsche Ihnen das Allerbeste für Ihre Bemühungen, sichere Reisen und vollen Erfolg während Ihrer Nord-Amerika-Tour. Danke nochmals für diese wertvolle Gelegenheit, Dr. Maathai.

Dr. Maathai: Ja, vielen, vielen Dank – ich danke Ihnen auch sehr und ich bitte, dass Sie meine herzliche Hochachtung und Verehrung für Amma weitergeben. Sagen Sie Ihr, dass es mir die größte Ehre und ein Privileg sein wird, mit Ihrer Organisation zu arbeiten und auf jede Weise teilzunehmen, dass unsere Träume wahr werden.