Strohballenhaus

Ein Haus aus dem Kornfeld

Seit Jahrtausenden werden Häuser aus Lehm gebaut, dem Stroh beigemischt wurde. Seit einigen Jahren findet die getrennte Variante den Weg aus den USA nach Europa: mit Holzständern stabilisierte Strohballenwände oder auch selbsttragende Strohballenhäuser, die mit Lehm (oder Kalk) verputzt werden oder mit Holz verschalt.

Der Baustoff vom Acker hat mehrere Vorteile: Er schont die Umwelt, weil beim Wachstum des Getreides das Treibhausgas Kohlendioxid gebunden wird und das Material ohne großen Herstellungs- und Transportaufwand von Bauern der Region stammt. Den Landwirten eröffnet sich eine zusätzliche Einnahmequelle. Und die Bewohner leben in Häusern, deren Wohnklima sehr gesund ist.

Für den Hausbau kommt vor allem Weizenstroh in Frage. Der Preis für einen Doppelzentner Weizen (100 kg) schwankte in den vergangenen zwei Jahren zwischen neun und 15 Euro. Das gepresste Stroh, das bei dieser Menge anfällt, umfasst etwa einen Kubikmeter. Dafür erhält der Landwirt 7,50 Euro, wenn er die Ballen so presst, dass sie den Anforderungen der Hausbauer entsprechen. Die Dichte muss zwischen 90 und 120 Kilogramm pro Kubikmeter liegen, die Restfeuchte bei 16 bis 18 Prozent.

Zwei offizielle Prüfzeugnisse haben die Strohballen bereits: Ihnen wird bescheinigt, dass sie – im stark gepressten Zustand – in die Kategorie “normal entflammbar” fallen. Das entspricht der Mindestanforderung im Baurecht. Das zweite Attest bestätigt, dass die Strohwand den Brandtest bestand: Sie widersteht mindestens 30 Minuten lang Feuer. Diese Eigenschaften verdankt das gepresste (!) Stroh dem vergleichsweise geringem Sauerstoffgehalt.

Stroh hält ähnlich warm wie andere Bio-Dämmstoffe. Es lassen sich aus ihm sogar Passiv-Häuser bauen. Sie brauchen nur ein Fünftel der Heizenergie eines Niedrigenergiehauses, dem heutigen Standard für Neubauten. Der Wärmedämmwert einer 40-50 cm dicken Strohwand ist mit 0,15 W/m²K so gut, dass er die Anforderung für Niedrigenergiehäuser problemlos erfüllt.

Dass Stroh auch in Deutschland ein jahrhundertelang erprobter Baustoff ist, wissen alle, die insbesondere an Norddeutschland zu Hause sind oder Urlaub machen. Denn die markanten Reetdächer sind letztlich auch nichts anderes als Stroh.